Der Gegenstand dient.
Ein Objekt ist ein Versprechen an eine Handlung: sitzen, sehen, die Zeit wissen. Wir entwerfen die Handlung zuerst und das Objekt danach. Was der Handlung nicht dient, ist Dekoration — und Dekoration ist eine unbezahlte Schuld.
Fünf Sätze regeln alles, was die Werkhalle verlässt. Sie sind kurz, damit man sie sich merkt, und hart, damit man sich an ihnen reibt. Wer ein Objekt von uns kauft, kauft diese Sätze mit.
Ein Objekt ist ein Versprechen an eine Handlung: sitzen, sehen, die Zeit wissen. Wir entwerfen die Handlung zuerst und das Objekt danach. Was der Handlung nicht dient, ist Dekoration — und Dekoration ist eine unbezahlte Schuld.
Schraube, Schweißnaht, Gelenk: Die Konstruktion bleibt sichtbar, denn sie ist die Biografie des Objekts. Ein verdeckter Mechanismus ist eine kleine Lüge, und kleine Lügen summieren sich zu schlechten Häusern.
Rot markiert den Griff. Blau trägt die Fläche. Gelb ruft die Aufmerksamkeit. Farbe ist bei uns nie Stimmung, sondern Anweisung — sie sagt der Hand, wo sie hingehört, bevor das Auge fragt.
Kein Objekt verlässt die Halle, bevor es nicht sechs Wochen in unseren eigenen Wohnungen gestanden hat. Der Daumen findet die Kante, die die Zeichnung übersieht. Der Alltag ist der strengste Lehrmeister.
Wir entwerfen für das Jahr 2056. Jedes Teil ist einzeln ersetzbar, jede Oberfläche reparierbar, jedes Lager genormt. Ein Objekt, das man wegwirft, war nie fertig — es war nur unterwegs zur Deponie.
„Ornament kostet Arbeitskraft. Präzision kostet Charakter. Wir bezahlen lieber mit Charakter."
— Greta Vobis, Gründerin, Werkstattbuch 1989
Greta Vobis und Henrik Lauterbach mieten eine stillgelegte Schlosserei hinter dem Dessauer Bahnhof. Erstes Objekt: ein Hocker aus Reststahl, Auflage 12.
Katalog Nr. 1 erscheint — acht Seiten, zwei Farben, im Siebdruck selbst gedruckt. Die Tischleuchte WB-01 „Rundlicht" geht in Serie.
Der Freischwinger WB-11 „Kragstuhl" besteht den 10.000-Zyklen-Test im dritten Anlauf. Die ersten zwei Anläufe hängen gerahmt im Flur.
Das Kunstgewerbemuseum Berlin nimmt die Wanduhr WB-07 „Stundenwerk" in die Sammlung auf. Wir feiern mit Kartoffelsalat in der Werkhalle.
Umzug in die neue Werkhalle an der Schwabestraße: 900 m², Nordlicht, eigene Pulverbeschichtung. Die Doktrin wird an die Wand geschraubt.
Katalog Nr. 4 erscheint mit acht Objekten. Mehr werden es nicht — besser werden sie schon.